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Die Inseln, Fundstätten und Ausflüge
Wegen der einst
dichten Bevölkerung gibt es auf allen Inseln Fundstätten. Oft sind sie vom Urwald
überwachsen, auch mutwillig zerstört, aber dort, wo sie restauriert wurden, vermitteln
sie großartige Eindrücke über die geheimnisvolle Kultur der Ureinwohner dieser
Inselwelt. |
Nuku Hiva
Nuku Hiva ist
nicht nur die größte Insel des Archipels. Im Hauptort Taiohae befindet sich auch
der Sitz der Verwaltung und der katholischen Mission. Ohne Zweifel liegt ihr besonderer
Reiz in den traumhaften Buchten, die ringsum an der wild zerklüfteten Küste angetroffen
werden. Schon 1813 hat der amerikanische Kapitän David Porter die Bucht von Taiohae
als die schönste Bucht der Welt bezeichnet. |
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| Nur
wenig Kilometer von Taiohae liegt im gleichnamigen Tal die Fundstätte Tohua Koueva.
Sie war das Hauptquartier des Häuptlings Pakoko, der 1845 einen erfolglosen Aufstand
gegen die Franzosen führte. Dieser Platz wurde anlässlich der 2000 Jahr-Feier
restauriert. Leider nicht originalgetreu, er ist mehr zu einem Freilichtmuseum umgebaut
worden, auf dem auch Skulpturen der Gegenwart stehen, wie ein kleiner Moai von der
Osterinsel, den die Abordnung als Geschenk mitgebracht hatte. Trotzdem ist ein Besuch zu
empfehlen, schon allein wegen der in allen Farben blühenden Bougainvillea- und
Hibiskus-Sträucher und den uralten Banyan-Bäumen, die jeden Tempel zieren. Sie stehen
unter dem höchsten Tapu, weil sie früher als Totenstätten gegolten haben. Tu Hiva, am Strand von Taiohae ist ein Hügel
von dem aus, 1813, die amerikanische Kriegsmarine unter Kapitän David Porter, englischen
Kriegsschiffen auflauerten. Gleichzeitig waren sie in ständige Scharmützel mit den
kriegerischen Stämmen der Insel verwickelt. Porter nannte die Festung Fort Madison, zu
Ehren des damaligen Präsidenten. Die Amerikaner verließen die Festung 1814, danach wurde
sie Besitz der englischen Krone und seit 1842 gehört sie endgültig Frankreich und führt
den Namen Fort Collet. |
| Paeke im Taipi-Tal.
Dieses Meae (Tempel) war das Heiligtum des berühmten, aber auch gewalttätigen
Taipi-Stammes und steht bis heute unter dem höchsten Tapu. Die Fundstätte wird von 11
großen Tiki bewacht, die auf unversehrten Tempelplattformen stehen. Von diesem Platz geht
eine wahrhaft expressive Kraft aus, die außerhalb von Zeit und Raum liegt. Auf seiner Flucht über die Inseln fand 1842 Herman Melville
Zuflucht in diesem Tal. Nur wenige Kilometer von Paeke entfernt liegt ein ganzer
Komplex von Paepaes (Hausplattformen) und eines davon ist das Paepae
Melville in dem er mit seiner Freundin Peue während seines Aufenthaltes
gelebt hat. Melvilles Buch Typee wurde zum marquesanischen Klassiker. |
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Einst
war das Taipi-Tal für seine Wasserfälle bekannt. Heute sind sie,
infolge der anhaltenden Trockenheit, versiegt. Der einzige verbliebene wird zwar für die
Stromerzeugung des Tales genutzt, aber trotzdem hat er nichts an seinem Reiz verloren. Der
Weg dorthin ist abenteuerlich und führt durch einen undurchdringlichen, nachtdunklen
Regenwald. Dicht verwoben bedecken abgestorbene Stämme das Flusstal. Über moosige Felsen
rauscht das Wasser ins Tal. Man würde sich nicht wundern, im Teich jenen zwei Riesenaalen
zu begegnen, deren Köpfe das Ausmaß von Pferdeschädel hatten. So erzählt es eine
Legende. Eine anderes Gerücht behauptet, dass sie nicht mehr gesehen wurden, seit die
Franzosen die Herren der Inseln sind. Wie dem auch sei, man fühlt sich an diesem Ort in
eine längst vergangene Zeit zurückversetzt, wo die Natur den Lauf der Zeiten noch
bestimmte. |
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| Durchfährt man das Dorf Taipi,
gelangt man auf einen Bergkamm, der den Blick auf die einsame Bucht Hooumi freigibt.
Die Steinfundamente links und rechts des Weges zeigen, dass dieses Tal einst stark
besiedelt war. Und nicht nur das, Ende des 19. Jahrhunderts residierte hier eine deutsche
Handelsgesellschaft und ein Gemischtwarenladen. Letzterer erfreute sich weit
über die Grenzen Nukus Hivas hinaus großer Beliebtheit. Als Admiral Graf von Spee 1914
in die Taipi-Bucht einlief, ging der letzte deutsche Handelsmann an Bord und war nicht
mehr gesehen. In seinem Haus wohnen heute Tahia und Katani Puhetini. Tagein, tagaus
flechtet Tania ihre fantasievollen Halsketten, während Katani seine begehrten Kunstwerke
aus Rosen- und Sandelholz schnitzt. In dieser unendlich erholsamen Ruhe dringen Jack
Londons Worte über Hooumi besonders tief ins Gemüt: Die Luft ist wie Balsam
mit einem zarten Hauch von Blütenduft. Man fühlt es fast wie ein Schmerz so vollkommen
ist die Schönheit. |
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In der
verträumten Bucht Hatiheu, mit ihren eigenwillig gezackten Felsnadeln,
steht nicht nur das bekannteste Restaurant der Inseln, das Chez Yvonne,
sondern man trifft hier auch auf besonders sorgfältig restaurierte Fundstätten. Dies
alles ist der rührigen Bürgermeisterin und Restaurantbesitzerin Yvonne Katupa zu
verdanken. |
Tohua
Hikokua, nur wenige Meter von der Dorfstrasse entfernt, war einer der
Stammplätze des großen Ati Papua Stammes. Auf diesem imponierend restaurierten Platz,
von Tiki umgeben, finden alle wichtigen Zusammenkünfte des Dorfes statt, auch
folkloristische Darbietungen, wie der traditionelle Schweinetanz, der nur von jungen
Männern getanzt werden darf.
Te
li Poka, ein weiterer Tempel, mit besonders mächtigen Banyan-Bäumen liegt
einige hundert Meter über der ersten Fundstätte. In seiner direkten Nachbarschaft, mit
einer Holzbrücke verbunden, befindet sich auch das eindrucksvolle Tohua Kamuihei. Dies
war der zeremonielle Festplatz des Ati Papua Stammes, wo auch Menschenopfer dargebracht
wurden. Der bekannte französische Archäologe Pierre Ottino ist zur Zeit dabei, die ganze
Anlage komplett zu restaurierten, um ein ganzheitliches Bild der damaligen Lebensformen zu
bekommen. Nicht weit von diesem Platz, tief im Wald versteckt, stößt man auf eine
Galerie von Petroglyphen die einmalig auf den Inseln sind. |
| Von
Hatiheu aus führt ein zum Teil steiler Weg nach Anaho, jene Bucht die
Robert Louis Stevenson schon 1888, auf seinem Weg nach Samoa innehalten und schwärmen
ließ. Seine äußerst puritanische Schwiegermutter entledigte sich dort sogar ihrer
Schuhe. Anaho Bay, so sagen viele, ist mit dem weißen Sandstrand und einer
Korallenbank, die schönste Bucht der Inseln. Die Lagune vereinigt in der Tat auf
hinreißende Art die Sanftheit eines tropischen Strandes mit der Schroffheit der kaum
bewachsenen Berge ringsum. Eindrücklich und einzigartig spiegelt sich der Widerschein des
Lichtes im leuchtenden Türkis des Wassers, während die dunklen in Oliv bewachsenen
Uferpartien der Vulkanberge die Bucht geheimnisvoll umschließen. Anaho scheint die
Vollendung des Südseetraumes. |
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Von Anaho führt der Weg weiter nach Haatuatua.
An diesem Strand gelang Robert C. Suggs 1956/57, aufgrund seiner Ausgrabungen, der Beweis,
dass die Inseln von Westen her besiedelt wurden, was alle vorherigen Mutmaßungen
widerlegte. Die Wanderung ist begeisternd. Immer wieder durchwatet man einsame
Standstrände in denen bizarr geformte Felskolosse stehen. Man kann sich des Eindrucks
nicht erwehren, dass die Natur hier Spielplätze für Giganten geschaffen hat. Selbst der
Aufstieg, der in das Tal von Haatuatua hinüberführt, lässt die Anstrengung
vergessen, so sehr nimmt einen die Landschaft und die Ruhe, die von diesem Tal ausgeht,
gefangen. Wie silberne Balken liegen die Sonnenstrahlen über den dunklen Wäldern, die
rechts und links den weißen Strand säumen. Die unendliche Weite des Pazifik, die
Brandung und der Wind, der durch die Dünen streicht, sind wie ein Glücksakkord aus einer
anderen Welt.
Ein genauso mythischer Ort an der Südwestecke Nuku Hivas
ist Hakaui. Am Ende des geheimnisvollen Tales, befindet sich der
große Wasserfall Te Vai Po der Fluss der Nacht. Er ist 700 m hoch. Die
Schlucht Ana o Tako, die oft als letzter Zufluchtsort für die verfolgten
Krieger galt, ist ausgefüllt mit vermoosten Steinfundamenten. Das Tal ist dunkel,
übermächtige Felsen lassen das Tageslicht nur spärlich eindringen. Der 7 km lange Weg
führt durch tiefen Urwald, über archäologische Trümmer und durch zum Teil hüfthohe
Flüsse. Ein besonders wage-mutiges Vergnügen ist ein Bad im Teich des Wasserfalles. Das
kalte Wasser ist nach dem schweißtreibenden Weg ein wahres Labsal, der Sprung in den
Teich braucht aber viel Mut. Diese Wanderung gehört zu den unvergesslichsten Erlebnissen
auf den Inseln. |
Ua Pou
Wenn sich die Insel Ua
Pou, mit ihrer dramatischen Silhouette aus dem Meer schält, erinnert man sich gerne an
das Chanson von Jacques Brel La Cathédrale. Die Insel ist ein wildes
Konglomerat ungewöhnlicher Berggipfel, deren schwarze Felswände an manchen Stellen
senkrecht in die schäumende Gischt stürzen. Obeliskartige Bergpfeiler gaben der Insel
ihren Namen Ua Pou Zwei Säulen. |
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Fährt man mit dem Schiff, betritt man in Hakahetau zum ersten Mal
marquesanischen Boden. Kenner der Insel behaupten, dass die getrockneten Bananen nirgendwo
besser munden als hier. Eine weitere Rarität sind die Blumensteine, mit den
flockig-goldenen Kristallen im schwarzen Gestein. Wer ein Blick dafür hat, findet sie am
Strand. Die kleine Kirche Hakahetaus ruht auf den Grundfesten der ersten Steinkirche
der Marquesas. Es lohnt sich einen Spaziergang durchs Dorf zu machen und einen
Aussichtspunkt aufzusuchen. Er bietet einen weiten Blick auf die Bucht und die umliegenden
Vulkanformationen.
Weiter
nordöstlich liegt Hakahau. Das dortige Museum ist mit archäologischen Fundgegenständen
gut bestückt. Interessant ist auch die Ausstellung der verschiedenen Basaltformen, für
die die Insel Ua Pou im ganzen Archipel bekannt ist. Liebhaber marquesanischer
Schnitzkunst werden von den Arbeiten in der Kirche des Heiligen Stefan begeistert sein. In
seltener Übereinstimmung schufen verschiedene Holzschnitzer einzigartige Kunstwerke, die
die marquesanische Kultur mit Figuren aus der Bibel beeindruckend verbindet.
Hakahau ist
aber gleichzeitig auch Ausgangspunkt für den Besuch der Fundstätte Te Menaha Taka'oa.
Sie liegt im Hakamoui-Tal, das vorwiegend von Kokos- und Fächerpalmen, Mango- Kastanien-
und Pandanusbäumen bewachsen ist. Diese Fundstätte wurde vom Häuptling Heato, der ein
lebendiger Gott gewesen sein soll, erbaut und diente seiner Familie als Wohnsitz. Der
Komplex Te Menaha Taka'oa ist weitverzweigt und zieht sich durch das ganze Tal. Besondere
Beachtung verdient das Paepae Manui. Hier steht der einzige Tiki Ua Pous namens Vaipoui.
Etwas abgesondert von der großen Anlage liegt Mata'aute'a, der Platz der jungen Frauen.
Ein anschauliches Beispiel der hochentwickelten Steinmetzkunst ist der Tikikopf aus
weißem Keetu (Tuffstein) an der Vorderfront des Paepaes. Die ganze Fundstätte ist
überwachsen von einem fast undurchdringlichen Dickicht an Bäumen und Pflanzen. |
Ua Huka
Ua Huka ist
jene Insel, die fast nur aus kahlen Felsen und ausgedörrten Graslandschaften besteht.
Nicht ganz unschuldig daran sind die von den Europäern eingeführten Nutztiere wie Pferde
und Ziegen, die inzwischen verwildert der ansonst schon trockenen Landschaft den
endgültigen Garaus machen. |
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| Zu
früheren Zeiten war Ua Huka eine blühende Landschaft. Trotzdem hat diese Insel eine
Kuriosität, die keine andere hat. Sie besitzt einen Botanischen Garten, der zwar ständig
ums Überleben kämpft; in dem auch nur einheimische Bäume und Sträucher gedeihen. Wie
vieles andere, ist auch der Botanische Garten auf die rührige Initiative von
Bürgermeister Lichtle zurückzuführen, dessen Ahnherr aus dem Elsass stammt und der mit
seinem immensen Vermehrungstrieb so großartige Leistungen vollbrachte, dass selbst heute
noch jeder dritte Bewohner Ua Hukas auf den Namen Lichtle hört. An der Südwestküste der
Insel befinden sich die großen Vogelfelsen auf denen Tausende von Seemöwen nisten. Das am besten
organisierte Museum im ganzen Archipel findet man in Vaipaee. Es wurde vom
Bildhauer Josef Te Hau Vaatete zusammengestellt. Außergewöhnlich ist die
Darstellung des Alltagslebens der Urbevölkerung. Daneben finden sich aber auch seltene
Steindechseln, Tiki, Poistössel (Werkzeuge zum Herstellen des Brotfruchbreis
Poi), Paddel, Kokaa Holzschüsseln und vieles mehr.
An der
Südküste liegt die Ausgrabungsstätte Hane und weiter den Bergrücken hinauf kommt man
zum Meae Meaiaute. Auf dieser Plattform entdeckt man vier gut erhaltene Tiki im Stil
der südlichen Inseln, die wesentlich kleiner sind, als diejenigen der Nordinsel. Der Weg
zum Tempel führt über eine große Fundstätte mit vielen Hausplattformen und Erdlöchern
in denen der Brotfruchtbrei über viele Jahre aufbewahrt werden konnte. Man hüllte ihn in
Hibiskusblätter und senkte ihn zum Gehren in die Erdlöcher. Der Brotfruchtbrei war der
Notvorrat der Marquesaner. Von dem Meae Meaiaute bietet sich ein besonders schöner
Ausblick auf die Bucht von Hane.
Die
Skulpturen-Werkstatt von Josef Te Hau Vaatete, der erstaunliche Kunstwerke aus dem
roten Tuffstein Ua Hukas herzustellen versteht, liegt direkt an der Strasse zum Strand von
Hane. Wer Lust hat, kann sich bei Josef einen Tiki für den häuslichen Vorgarten
bestellen. Außerdem ist Ua Huka für seine speziellen Schnitzarbeiten bekannt und manches
Kunstwerk hat von hier aus den Weg in die weite Welt angetreten.
Hiva Oa
Hiva Oa ist eine der jüngeren Inseln. Ihre Form gleicht etwa einem Seepferd,
dessen Kopf in Richtung Sonnenuntergang orientiert ist. Geologisch besteht die Insel aus
drei Vulkanen. Die Berge erreichen Höhen von 800 bis 900 Metern, mit drei Spitzen über
1100 m. Die über den höchsten Gipfeln hängenden Wolken versorgen durch häufige
Regenfälle die Bäche mit genügend Wasser, die dieser Insel zu einer blühenden Oase
verhelfen. |
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Atuona,
der Hauptort der Insel, liegt geschützt unter dem grünen Matterhorn der Marquesas dem
Te Metiu. Nirgendwo auf den Inseln trifft man auf eine so vielfältige
Blütenpracht und kein Ort ist bekannter als Atuona, denn hier verbrachte Paul Gauguin
seine letzten Lebensjahre. Er liegt auf dem kleinen Friedhof hoch über dem Dorf begraben,
dort wo auch Jacques Brel, der bekannte Chansonier seine letzte Ruhe fand. |
Im Dorfzentrum
ist ein Museum mit archäologischen Artefakten und Gauguin-Erinnerungsstücken errichtet
worden. Mit ihm feierte auch Gauguins Haus der Freuden seine Auferstehung. Auf
Geheiß der Kirche wurde das Original-Haus nach dessen Tod abgebrannt, weil es für die
Kirchenoberen ein besonders verachtenswerter Sündenpfuhl gewesen sein soll. Die
ausgestellten Bilder Gauguins sind Kopien. Das rostende Flugzeug auf dem
Ausstellungsgelände gehörte Jacques Brel, der damit auf den Marquesas eingetroffen war.
In Taaoa
liegt die größte zeremonielle Fundstätte des Archipels. Sie ist eingebettet in einem
tiefen, stillen Tal, das am Ende von mächtigen Felswänden begrenzt ist. Man nennt sie
die Wirbelsäule der Insel Hiva Oa. Der Festplatz des Tiu Stammes ist ein mächtiger
Komplex, der aus einem großen Stammplatz und vielen kleinen Tempeln besteht. Auch hier
sind es wieder die mächtigen Banyan-Bäume, die diesem Ort etwas beklemmend
Geheimnisvolles geben, wie auch die Totenbahren aus Stein und der große Tuu
(Plattform für Menschenopfer). Die Kletterei ist zum Teil mühsam, auch gefährlich denn
die Terrassen sind hoch und die Steine, durch Bäume unterwachsen, sitzen nur noch sehr
locker aufeinander. Doch die Anstrengungen lohnen sich. Auf einer Lichtung steht man
plötzlich vor dem beeindruckenden Tiki Iupeke, dessen Gesichtszüge als
Flachrelief in einen mächtigen Basaltfelsen eingemeißelt wurden. Es ist ein Kunstwerk
der ganz besonderen Art. Nicht weit entfernt beweisen die Schwefelquellen
Taaoas, dass Pele die Göttin der Vulkane, ihre Arbeit auf Hiva Oa noch
lange nicht eingestellt hat. |
| Bekannter
als alle anderen Fundstätten auf den Inseln ist Te Ii pona im Puamau-Tal.
Am Ende eines staubigen Pfades liegt inmitten des Urwaldes, der Stammplatz des einst
mächtigen und gefürchteten Naiki Stammes. Die Tempelanlage wird von großen
Brotfruchtbäumen überschattet und ist mit roten Ti-Pflanzen bewachsen, denen seit jeher
magische Kräfte zugesprochen werden. Zwei große und zwei kleinere Plattformen winden
sich einen leicht ansteigenden Hang hinauf. Sie sind von einer interessanten Sammlung von
11 Tiki verschiedener Größen und unterschiedlichen Opferköpfen umrahmt. Darunter ist
der größte Tiki der Marquesas Takaii (2 Meter) sowie die eigenwillige
Darstellung Makii Taua Pepe, einer Schmetterlings-Priesterin, die während der
Entbindung starb. Ihr Mann, der Steinmetz Manuiotaa hat seiner sterbenden Frau mit
diesem Tiki ein einmaliges, außergewöhnliches Denkmal gesetzt. Takaii und
Makii Taua Pepe haben Puamau weit über die Grenzen hinaus bekannt
gemacht. |
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Tahuata
Diese Insel ist besonders schön, wenn die warme Nachmittagssonne ihre Strahlen
über die begrünten Bergrücken schickt und das Dorf Vaitahu wie ein dörfliches Kleinod
erscheint. Aber der Schein trügt, denn hinter diesem friedlichen Dorf verbirgt sich eine
von Gewalt geprägte Vergangenheit. 1595 setzte der Spanier Mendaña seinen Fuß auf die
Insel. Er zelebrierte auf dem heutigen Fußballplatz zuerst eine heilige Messe um danach
innerhalb von 8 Tagen 200 Marquesaner, manchmal nur um die Musketen zu testen, zu
ermorden. Die Menschen flüchteten in die nahen Bergtäler. Doch dies blieb nicht das
einzige Verbrechen. Es kam immer wieder zu Gewaltanwendungen von Seiten bewaffneter
Deserteure. Sie brachten Krankheiten mit und terrorisierten die Bevölkerung auf brutalste
Weise. Am 17. September 1842 kam es in Vaitahu zum letzten blutigen Aufstand gegen die
Franzosen-Herrschaft mit Toten auf beiden Seiten. Wenige auf der französischen,
unverhältnismäßig viele wieder auf der Seite der Marquesaner. Die Gedenktafel am Ufer
erinnert an den Tod von 12 kühnen Franzosen, die im heldenhaften Kampf ihr Leben gelassen
haben. Von den brutal niedergemetzelten Einwohnern Tahuatas steht nichts geschrieben. Die
Geschichte dieser Insel ist von Gewalttätigkeit geprägt. Die Distanz der Menschen
gegenüber Fremden ist verständlich. |
| In Vaitahu
befindet sich im Rathaus ein kleines Museum. Die Artefakte stammen von Ausgrabungen im
Innern der Insel. Das älteste Artefakt ist mehr als 1000 Jahre alt. Außerdem arbeitet
hier der bekannteste Knochenschnitzer der Marquesas. Te Iki Barsinas versteht es, aparte
Schmuckstücke aus Schweineknochen anzufertigen. Besonders beliebt sind Angelhaken und
Tiki-Ohrstecker, so wie sie die alten Marquesaner zu tragen pflegten. |
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In Hapatoni,
an der Westküste, erstreckt sich über eine weite Strecke ein besonders gut
restaurierter, zeremonieller Platz, der direkt am Strand liegt und eine zauberhafte
Aussicht auf das Meer bietet. Es ist mit Abstand die bequemste Fundstätte und es ist eine
Freude auf diesem Platz seinen archäologischen Neigungen nachzugehen.
Genau so viel Freude bereitet es, zu dem nahen Aussichtspunkt zu
wandern, der auf einem vorspringenden Felsen von weitem schon gesehen wird. Der Weg
dorthin säumen nicht nur zahlreiche Steinplattformen, sondern auch zitronengelb und
rosarot blühende Hibiskussträucher und Früchte tragende Mangobäume. Der süße Duft
der Mangos begleitet während des ganzen Weges. Es würde keinem Maler gelingen die
Farbenpracht des Meeres so festzuhalten, wie es sich dem menschlichen Auge bietet. Das
glasklare Wasser spiegelt sich vom hell durchsonnten Blau, über Jadegrün, Türkis bis
zum tiefsten Kobaltblau. Umrahmt von blühenden Hibiskushecken scheint das Wort
paradiesischschön absolut gerechtfertigt.
Fatu Iva
Diese Insel ist die südlichste und abgelegenste des Archipels und wurde als
letzte von den Franzosen zivilisiert. Für viele ist sie die schönste,
wildeste und landschaftlich spektakulärste Insel in der Gruppe der Marquesas. Es ist
nicht nur das einmalige Panorama, die wilden Pferde auf den Bergen, die diesen Ort so
einzigartig machen, sondern auch das geballte Grün der Dschungels, der sich über üppige
Täler und enge Schluchten bis zu den schroffen, steil abfallenden Klippen erstreckt. Mit
ihren sichtlich gefährlichen Ufern sieht Fatu Iva aus wie eine Burg, ein grünes Kastell
inmitten des Pazifischen Ozeans.. |
| Vom Ort Oomoa
führt eine Wanderung zum Tal von Hanavave. Wer gut zu Fuß ist, Steigungen in der Hitze
ertragen kann, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Steil abfallende
Berghänge, enge Seitentäler geben den Blick in eine unberührte Natur frei, die immer
wieder aufs Neue begeistert. Mit dem schräg einfallenden Licht, dem Hintergrund der
schwarzen Felsen, verwandeln sich nicht selten die am Weg stehenden Palmen-, Pandanus-
Bananen und Eisenholzbäume zu verwunschenen Schattenbildern. Abrupt und oft
furchterregend nahe steht man vor dem Abgrund dunkelgrün bewachsener Bergflanken, die
senkrecht in die Tiefe stürzen. Weit unten lockt der tiefblaue Pazifik |
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| Das Tal
von Hanavave zählt zu den schönsten der Insel. Es sind nicht nur die
eindeutig phallischen Felsformationen die Verwunderung wecken, sondern es ist das
Pittoreske des Tales, das von schwarzen Felsen gesäumt ist. Der plätschernde Bach, der
sich durch das Tal windet, wird von in allen Farben blühenden Hibiskusbäumen gesäumt.
Wenn die Abendsonne in stetem Wechsel das Grün der Insel in immer neue Licht- und
Schattenspiele verwandelt dann fließt das Fotografenherz vor Begeisterung über. |
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Bleibt man in Oomoa, sollte man sich eine Tapa-Demonstration
nicht entgehen lassen. Tapa wird aus der Rinde des Maulbeerbaumes hergestellt. Dazu wird
die untere Schicht der Rinde verwendet, die mit einem Schlagstock aus Eichenholz
weichgeklopft und so zu einem filzähnlichen Stoff verbunden wird. Bemalt werden die Tapas
mit schwarzer Farbe. Nach altem Brauch wird diese aus dem Russ verbrannter Kokosschalen
mit Öl vermischt selbst hergestellt. Als Pinsel dienen zusammengedrehte Haare. In
früheren Zeiten wurde der Stoff der Rinde nicht bemalt und diente als Bekleidung. |
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Das
Museum der Familie Grellet beinhaltet wohl eine der eindrücklichsten Sammlungen
marquesanischer Kunst und Gebrauchsgegenstände. François Grellet der Begründer der
Familie kam im späten 19. Jahrhundert aus der Schweiz nach Fatu Iva und gründete dort
mit mehreren Frauen eine Familie. Die Hauptattraktionen im Museum sind ohne Zweifel die
großen, eindrucksvoll geschnitzten Kokaa (Holzschüsseln). Vervollständigt wird
die Sammlung durch Paddel, Keulen, Speere, auch Steinklingen, Poistößel und gut
erhaltene Tiki. |
| Die Wände zieren
vergilbte Fotografien der Familie Grellet. Dabei stößt man überraschend auf einen
weißen Keramikteller, der mit schneebedeckten Bergen, Riegelhaus und Trachtenmädchen im
erstaunlichen Kontrast zu den marquesanischen Antiquitäten steht. Galt dieses
Relikt der nie endenden Sehnsucht nach der verlassenen Heimat? Am Ende dieser Einführung heiße ich Sie von Herzen auf den
Marquesas willkommen, deren Zauber Sie mit Sicherheit genau so unterliegen werden wie
viele vor Ihnen und die die noch kommen werden. |
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