Die Inseln, Fundstätten und Ausflüge

Wegen der einst dichten Bevölkerung gibt es auf allen Inseln Fundstätten. Oft sind sie vom Urwald überwachsen, auch mutwillig zerstört, aber dort, wo sie restauriert wurden, vermitteln sie großartige Eindrücke über die geheimnisvolle Kultur der Ureinwohner dieser Inselwelt.

Nuku Hiva

Nuku Hiva ist nicht nur die größte Insel des Archipels. Im Hauptort Taioha’e befindet sich auch der Sitz der Verwaltung und der katholischen Mission. Ohne Zweifel liegt ihr besonderer Reiz in den traumhaften Buchten, die ringsum an der wild zerklüfteten Küste angetroffen werden. Schon 1813 hat der amerikanische Kapitän David Porter die Bucht von Taioha’e als die schönste Bucht der Welt bezeichnet.

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Nur wenig Kilometer von Taioha’e liegt im gleichnamigen Tal die Fundstätte Tohua Koueva. Sie war das Hauptquartier des Häuptlings Pakoko, der 1845 einen erfolglosen Aufstand gegen die Franzosen führte. Dieser Platz wurde anlässlich der 2000 Jahr-Feier restauriert. Leider nicht originalgetreu, er ist mehr zu einem Freilichtmuseum umgebaut worden, auf dem auch Skulpturen der Gegenwart stehen, wie ein kleiner Moai von der Osterinsel, den die Abordnung als Geschenk mitgebracht hatte. Trotzdem ist ein Besuch zu empfehlen, schon allein wegen der in allen Farben blühenden Bougainvillea- und Hibiskus-Sträucher und den uralten Banyan-Bäumen, die jeden Tempel zieren. Sie stehen unter dem höchsten Tapu, weil sie früher als Totenstätten gegolten haben.

Tu Hiva, am Strand von Taioha’e ist ein Hügel von dem aus, 1813, die amerikanische Kriegsmarine unter Kapitän David Porter, englischen Kriegsschiffen auflauerten. Gleichzeitig waren sie in ständige Scharmützel mit den kriegerischen Stämmen der Insel verwickelt. Porter nannte die Festung Fort Madison, zu Ehren des damaligen Präsidenten. Die Amerikaner verließen die Festung 1814, danach wurde sie Besitz der englischen Krone und seit 1842 gehört sie endgültig Frankreich und führt den Namen Fort Collet.

Pa’eke im Taipi-Tal. Dieses Me’ae (Tempel) war das Heiligtum des berühmten, aber auch gewalttätigen Taipi-Stammes und steht bis heute unter dem höchsten Tapu. Die Fundstätte wird von 11 großen Tiki bewacht, die auf unversehrten Tempelplattformen stehen. Von diesem Platz geht eine wahrhaft expressive Kraft aus, die außerhalb von Zeit und Raum liegt.

Auf seiner Flucht über die Inseln fand 1842 Herman Melville Zuflucht in diesem Tal. Nur wenige Kilometer von Pa’eke entfernt liegt ein ganzer Komplex von Paepae’s (Hausplattformen) und eines davon ist das „Paepae Melville“ in dem er mit seiner Freundin Peue während seines Aufenthaltes gelebt hat. Melvilles Buch „Typee“ wurde zum marquesanischen Klassiker.

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Einst war das Taipi-Tal für seine Wasserfälle bekannt. Heute sind sie, infolge der anhaltenden Trockenheit, versiegt. Der einzige verbliebene wird zwar für die Stromerzeugung des Tales genutzt, aber trotzdem hat er nichts an seinem Reiz verloren. Der Weg dorthin ist abenteuerlich und führt durch einen undurchdringlichen, nachtdunklen Regenwald. Dicht verwoben bedecken abgestorbene Stämme das Flusstal. Über moosige Felsen rauscht das Wasser ins Tal. Man würde sich nicht wundern, im Teich jenen zwei Riesenaalen zu begegnen, deren Köpfe das Ausmaß von Pferdeschädel hatten. So erzählt es eine Legende. Eine anderes Gerücht behauptet, dass sie nicht mehr gesehen wurden, seit die Franzosen die Herren der Inseln sind. Wie dem auch sei, man fühlt sich an diesem Ort in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt, wo die Natur den Lauf der Zeiten noch bestimmte.

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Durchfährt man das Dorf Taipi, gelangt man auf einen Bergkamm, der den Blick auf die einsame Bucht Ho’oumi freigibt. Die Steinfundamente links und rechts des Weges zeigen, dass dieses Tal einst stark besiedelt war. Und nicht nur das, Ende des 19. Jahrhunderts residierte hier eine deutsche Handelsgesellschaft und ein „Gemischtwarenladen“. Letzterer erfreute sich weit über die Grenzen Nukus Hivas hinaus großer Beliebtheit. Als Admiral Graf von Spee 1914 in die Taipi-Bucht einlief, ging der letzte deutsche Handelsmann an Bord und war nicht mehr gesehen. In seinem Haus wohnen heute Tahia und Katani Puhetini. Tagein, tagaus flechtet Tania ihre fantasievollen Halsketten, während Katani seine begehrten Kunstwerke aus Rosen- und Sandelholz schnitzt. In dieser unendlich erholsamen Ruhe dringen Jack Londons Worte über Ho’oumi besonders tief ins Gemüt: „Die Luft ist wie Balsam mit einem zarten Hauch von Blütenduft. Man fühlt es fast wie ein Schmerz so vollkommen ist die Schönheit.“
52.jpg (33216 Byte) In der verträumten Bucht Hatiheu, mit ihren eigenwillig gezackten Felsnadeln, steht nicht nur das bekannteste Restaurant der Inseln, das „Chez Yvonne“, sondern man trifft hier auch auf besonders sorgfältig restaurierte Fundstätten. Dies alles ist der rührigen Bürgermeisterin und Restaurantbesitzerin Yvonne Katupa zu verdanken.

Tohua Hikoku’a, nur wenige Meter von der Dorfstrasse entfernt, war einer der Stammplätze des großen Ati Papua Stammes. Auf diesem imponierend restaurierten Platz, von Tiki umgeben, finden alle wichtigen Zusammenkünfte des Dorfes statt, auch folkloristische Darbietungen, wie der traditionelle Schweinetanz, der nur von jungen Männern getanzt werden darf.

Te l’i Poka, ein weiterer Tempel, mit besonders mächtigen Banyan-Bäumen liegt einige hundert Meter über der ersten Fundstätte. In seiner direkten Nachbarschaft, mit einer Holzbrücke verbunden, befindet sich auch das eindrucksvolle Tohua Kamuihei. Dies war der zeremonielle Festplatz des Ati Papua Stammes, wo auch Menschenopfer dargebracht wurden. Der bekannte französische Archäologe Pierre Ottino ist zur Zeit dabei, die ganze Anlage komplett zu restaurierten, um ein ganzheitliches Bild der damaligen Lebensformen zu bekommen. Nicht weit von diesem Platz, tief im Wald versteckt, stößt man auf eine Galerie von Petroglyphen die einmalig auf den Inseln sind.

Von Hatiheu aus führt ein zum Teil steiler Weg nach Anaho, jene Bucht die Robert Louis Stevenson schon 1888, auf seinem Weg nach Samoa innehalten und schwärmen ließ. Seine äußerst puritanische Schwiegermutter entledigte sich dort sogar ihrer Schuhe. „Anaho Bay“, so sagen viele, ist mit dem weißen Sandstrand und einer Korallenbank, die schönste Bucht der Inseln. Die Lagune vereinigt in der Tat auf hinreißende Art die Sanftheit eines tropischen Strandes mit der Schroffheit der kaum bewachsenen Berge ringsum. Eindrücklich und einzigartig spiegelt sich der Widerschein des Lichtes im leuchtenden Türkis des Wassers, während die dunklen in Oliv bewachsenen Uferpartien der Vulkanberge die Bucht geheimnisvoll umschließen. Anaho scheint die Vollendung des Südseetraumes. 53.jpg (21519 Byte)

Von Anaho führt der Weg weiter nach Ha’atuatua. An diesem Strand gelang Robert C. Suggs 1956/57, aufgrund seiner Ausgrabungen, der Beweis, dass die Inseln von Westen her besiedelt wurden, was alle vorherigen Mutmaßungen widerlegte. Die Wanderung ist begeisternd. Immer wieder durchwatet man einsame Standstrände in denen bizarr geformte Felskolosse stehen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Natur hier Spielplätze für Giganten geschaffen hat. Selbst der Aufstieg, der in das Tal von Ha’atuatua hinüberführt, lässt die Anstrengung vergessen, so sehr nimmt einen die Landschaft und die Ruhe, die von diesem Tal ausgeht, gefangen. Wie silberne Balken liegen die Sonnenstrahlen über den dunklen Wäldern, die rechts und links den weißen Strand säumen. Die unendliche Weite des Pazifik, die Brandung und der Wind, der durch die Dünen streicht, sind wie ein Glücksakkord aus einer anderen Welt.

Ein genauso mythischer Ort an der Südwestecke Nuku Hivas ist Haka’ui. Am Ende des geheimnisvollen Tales, befindet sich der große Wasserfall Te Vai Po „der Fluss der Nacht“. Er ist 700 m hoch. Die Schlucht „Ana o Tako“, die oft als letzter Zufluchtsort für die verfolgten Krieger galt, ist ausgefüllt mit vermoosten Steinfundamenten. Das Tal ist dunkel, übermächtige Felsen lassen das Tageslicht nur spärlich eindringen. Der 7 km lange Weg führt durch tiefen Urwald, über archäologische Trümmer und durch zum Teil hüfthohe Flüsse. Ein besonders wage-mutiges Vergnügen ist ein Bad im Teich des Wasserfalles. Das kalte Wasser ist nach dem schweißtreibenden Weg ein wahres Labsal, der Sprung in den Teich braucht aber viel Mut. Diese Wanderung gehört zu den unvergesslichsten Erlebnissen auf den Inseln.

Ua Pou

Wenn sich die Insel Ua Pou, mit ihrer dramatischen Silhouette aus dem Meer schält, erinnert man sich gerne an das Chanson von Jacques Brel „La Cathédrale“. Die Insel ist ein wildes Konglomerat ungewöhnlicher Berggipfel, deren schwarze Felswände an manchen Stellen senkrecht in die schäumende Gischt stürzen. Obeliskartige Bergpfeiler gaben der Insel ihren Namen „Ua Pou“ – Zwei Säulen.

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Fährt man mit dem Schiff, betritt man in Hakahetau zum ersten Mal marquesanischen Boden. Kenner der Insel behaupten, dass die getrockneten Bananen nirgendwo besser munden als hier. Eine weitere Rarität sind die „Blumensteine“, mit den flockig-goldenen Kristallen im schwarzen Gestein. Wer ein Blick dafür hat, findet sie am Strand. Die kleine Kirche Hakahetau’s ruht auf den Grundfesten der ersten Steinkirche der Marquesas. Es lohnt sich einen Spaziergang durchs Dorf zu machen und einen Aussichtspunkt aufzusuchen. Er bietet einen weiten Blick auf die Bucht und die umliegenden Vulkanformationen.

Weiter nordöstlich liegt Hakahau. Das dortige Museum ist mit archäologischen Fundgegenständen gut bestückt. Interessant ist auch die Ausstellung der verschiedenen Basaltformen, für die die Insel Ua Pou im ganzen Archipel bekannt ist. Liebhaber marquesanischer Schnitzkunst werden von den Arbeiten in der Kirche des Heiligen Stefan begeistert sein. In seltener Übereinstimmung schufen verschiedene Holzschnitzer einzigartige Kunstwerke, die die marquesanische Kultur mit Figuren aus der Bibel beeindruckend verbindet.

Hakahau ist aber gleichzeitig auch Ausgangspunkt für den Besuch der Fundstätte Te Menaha Taka'oa. Sie liegt im Hakamoui-Tal, das vorwiegend von Kokos- und Fächerpalmen, Mango- Kastanien- und Pandanusbäumen bewachsen ist. Diese Fundstätte wurde vom Häuptling Heato, der ein lebendiger Gott gewesen sein soll, erbaut und diente seiner Familie als Wohnsitz. Der Komplex Te Menaha Taka'oa ist weitverzweigt und zieht sich durch das ganze Tal. Besondere Beachtung verdient das Paepae Manui. Hier steht der einzige Tiki Ua Pous namens Vaipoui. Etwas abgesondert von der großen Anlage liegt Mata'aute'a, der Platz der jungen Frauen. Ein anschauliches Beispiel der hochentwickelten Steinmetzkunst ist der Tikikopf aus weißem Ke’etu (Tuffstein) an der Vorderfront des Paepaes. Die ganze Fundstätte ist überwachsen von einem fast undurchdringlichen Dickicht an Bäumen und Pflanzen.

Ua Huka

Ua Huka ist jene Insel, die fast nur aus kahlen Felsen und ausgedörrten Graslandschaften besteht. Nicht ganz unschuldig daran sind die von den Europäern eingeführten Nutztiere wie Pferde und Ziegen, die inzwischen verwildert der ansonst schon trockenen Landschaft den endgültigen Garaus machen.

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Zu früheren Zeiten war Ua Huka eine blühende Landschaft. Trotzdem hat diese Insel eine Kuriosität, die keine andere hat. Sie besitzt einen Botanischen Garten, der zwar ständig ums Überleben kämpft; in dem auch nur einheimische Bäume und Sträucher gedeihen. Wie vieles andere, ist auch der Botanische Garten auf die rührige Initiative von Bürgermeister Lichtle zurückzuführen, dessen Ahnherr aus dem Elsass stammt und der mit seinem immensen Vermehrungstrieb so großartige Leistungen vollbrachte, dass selbst heute noch jeder dritte Bewohner Ua Hukas auf den Namen Lichtle hört. An der Südwestküste der Insel befinden sich die großen Vogelfelsen auf denen Tausende von Seemöwen nisten.

Das am besten organisierte Museum im ganzen Archipel findet man in Vaipa’e’e. Es wurde vom Bildhauer Josef Te Hau Va’atete zusammengestellt. Außergewöhnlich ist die Darstellung des Alltagslebens der Urbevölkerung. Daneben finden sich aber auch seltene Steindechseln, Tiki, Poistössel (Werkzeuge zum Herstellen des Brotfruchbreis „Poi“), Paddel, Koka’a Holzschüsseln und vieles mehr.

An der Südküste liegt die Ausgrabungsstätte Hane und weiter den Bergrücken hinauf kommt man zum Me’ae Meaiaute. Auf dieser Plattform entdeckt man vier gut erhaltene Tiki im Stil der südlichen Inseln, die wesentlich kleiner sind, als diejenigen der Nordinsel. Der Weg zum Tempel führt über eine große Fundstätte mit vielen Hausplattformen und Erdlöchern in denen der Brotfruchtbrei über viele Jahre aufbewahrt werden konnte. Man hüllte ihn in Hibiskusblätter und senkte ihn zum Gehren in die Erdlöcher. Der Brotfruchtbrei war der Notvorrat der Marquesaner. Von dem Me’ae Meaiaute bietet sich ein besonders schöner Ausblick auf die Bucht von Hane.

Die Skulpturen-Werkstatt von Josef Te Hau Va’atete, der erstaunliche Kunstwerke aus dem roten Tuffstein Ua Hukas herzustellen versteht, liegt direkt an der Strasse zum Strand von Hane. Wer Lust hat, kann sich bei Josef einen Tiki für den häuslichen Vorgarten bestellen. Außerdem ist Ua Huka für seine speziellen Schnitzarbeiten bekannt und manches Kunstwerk hat von hier aus den Weg in die weite Welt angetreten.

Hiva Oa

Hiva Oa ist eine der jüngeren Inseln. Ihre Form gleicht etwa einem Seepferd, dessen Kopf in Richtung Sonnenuntergang orientiert ist. Geologisch besteht die Insel aus drei Vulkanen. Die Berge erreichen Höhen von 800 bis 900 Metern, mit drei Spitzen über 1100 m. Die über den höchsten Gipfeln hängenden Wolken versorgen durch häufige Regenfälle die Bäche mit genügend Wasser, die dieser Insel zu einer blühenden Oase verhelfen.

23.jpg (21112 Byte) Atuona, der Hauptort der Insel, liegt geschützt unter dem grünen Matterhorn der Marquesas dem „Te Metiu“. Nirgendwo auf den Inseln trifft man auf eine so vielfältige Blütenpracht und kein Ort ist bekannter als Atuona, denn hier verbrachte Paul Gauguin seine letzten Lebensjahre. Er liegt auf dem kleinen Friedhof hoch über dem Dorf begraben, dort wo auch Jacques Brel, der bekannte Chansonier seine letzte Ruhe fand.

Im Dorfzentrum ist ein Museum mit archäologischen Artefakten und Gauguin-Erinnerungsstücken errichtet worden. Mit ihm feierte auch Gauguins „Haus der Freuden“ seine Auferstehung. Auf Geheiß der Kirche wurde das Original-Haus nach dessen Tod abgebrannt, weil es für die Kirchenoberen ein besonders verachtenswerter Sündenpfuhl gewesen sein soll. Die ausgestellten Bilder Gauguins sind Kopien. Das rostende Flugzeug auf dem Ausstellungsgelände gehörte Jacques Brel, der damit auf den Marquesas eingetroffen war.

In Ta’a’oa liegt die größte zeremonielle Fundstätte des Archipels. Sie ist eingebettet in einem tiefen, stillen Tal, das am Ende von mächtigen Felswänden begrenzt ist. Man nennt sie die Wirbelsäule der Insel Hiva Oa. Der Festplatz des Tiu Stammes ist ein mächtiger Komplex, der aus einem großen Stammplatz und vielen kleinen Tempeln besteht. Auch hier sind es wieder die mächtigen Banyan-Bäume, die diesem Ort etwas beklemmend Geheimnisvolles geben, wie auch die Totenbahren aus Stein und der große Tu’u (Plattform für Menschenopfer). Die Kletterei ist zum Teil mühsam, auch gefährlich denn die Terrassen sind hoch und die Steine, durch Bäume unterwachsen, sitzen nur noch sehr locker aufeinander. Doch die Anstrengungen lohnen sich. Auf einer Lichtung steht man plötzlich vor dem beeindruckenden Tiki „Iupeke“, dessen Gesichtszüge als Flachrelief in einen mächtigen Basaltfelsen eingemeißelt wurden. Es ist ein Kunstwerk der ganz besonderen Art. Nicht weit entfernt beweisen die Schwefelquellen Ta’a’oa’s, dass Pele die Göttin der Vulkane, ihre Arbeit auf Hiva Oa noch lange nicht eingestellt hat.

Bekannter als alle anderen Fundstätten auf den Inseln ist Te I’i pona im Puama’u-Tal. Am Ende eines staubigen Pfades liegt inmitten des Urwaldes, der Stammplatz des einst mächtigen und gefürchteten Na’iki Stammes. Die Tempelanlage wird von großen Brotfruchtbäumen überschattet und ist mit roten Ti-Pflanzen bewachsen, denen seit jeher magische Kräfte zugesprochen werden. Zwei große und zwei kleinere Plattformen winden sich einen leicht ansteigenden Hang hinauf. Sie sind von einer interessanten Sammlung von 11 Tiki verschiedener Größen und unterschiedlichen Opferköpfen umrahmt. Darunter ist der größte Tiki der Marquesas Taka’i’i (2 Meter) sowie die eigenwillige Darstellung Maki’i Tau’a Pepe, einer Schmetterlings-Priesterin, die während der Entbindung starb. Ihr Mann, der Steinmetz Manuiota’a hat seiner sterbenden Frau mit diesem Tiki ein einmaliges, außergewöhnliches Denkmal gesetzt. Taka’i’i und Maki’i Tau’a Pepe haben Puama’u weit über die Grenzen hinaus bekannt gemacht. 55.jpg (39766 Byte)

Tahuata

Diese Insel ist besonders schön, wenn die warme Nachmittagssonne ihre Strahlen über die begrünten Bergrücken schickt und das Dorf Vaitahu wie ein dörfliches Kleinod erscheint. Aber der Schein trügt, denn hinter diesem friedlichen Dorf verbirgt sich eine von Gewalt geprägte Vergangenheit. 1595 setzte der Spanier Mendaña seinen Fuß auf die Insel. Er zelebrierte auf dem heutigen Fußballplatz zuerst eine heilige Messe um danach innerhalb von 8 Tagen 200 Marquesaner, manchmal nur um die Musketen zu testen, zu ermorden. Die Menschen flüchteten in die nahen Bergtäler. Doch dies blieb nicht das einzige Verbrechen. Es kam immer wieder zu Gewaltanwendungen von Seiten bewaffneter Deserteure. Sie brachten Krankheiten mit und terrorisierten die Bevölkerung auf brutalste Weise. Am 17. September 1842 kam es in Vaitahu zum letzten blutigen Aufstand gegen die Franzosen-Herrschaft mit Toten auf beiden Seiten. Wenige auf der französischen, unverhältnismäßig viele wieder auf der Seite der Marquesaner. Die Gedenktafel am Ufer erinnert an den Tod von 12 kühnen Franzosen, die im heldenhaften Kampf ihr Leben gelassen haben. Von den brutal niedergemetzelten Einwohnern Tahuatas steht nichts geschrieben. Die Geschichte dieser Insel ist von Gewalttätigkeit geprägt. Die Distanz der Menschen gegenüber Fremden ist verständlich.

In Vaitahu befindet sich im Rathaus ein kleines Museum. Die Artefakte stammen von Ausgrabungen im Innern der Insel. Das älteste Artefakt ist mehr als 1000 Jahre alt. Außerdem arbeitet hier der bekannteste Knochenschnitzer der Marquesas. Te Iki Barsinas versteht es, aparte Schmuckstücke aus Schweineknochen anzufertigen. Besonders beliebt sind Angelhaken und Tiki-Ohrstecker, so wie sie die alten Marquesaner zu tragen pflegten. 56.jpg (23451 Byte)

In Hapatoni, an der Westküste, erstreckt sich über eine weite Strecke ein besonders gut restaurierter, zeremonieller Platz, der direkt am Strand liegt und eine zauberhafte Aussicht auf das Meer bietet. Es ist mit Abstand die bequemste Fundstätte und es ist eine Freude auf diesem Platz seinen archäologischen Neigungen nachzugehen.

Genau so viel Freude bereitet es, zu dem nahen Aussichtspunkt zu wandern, der auf einem vorspringenden Felsen von weitem schon gesehen wird. Der Weg dorthin säumen nicht nur zahlreiche Steinplattformen, sondern auch zitronengelb und rosarot blühende Hibiskussträucher und Früchte tragende Mangobäume. Der süße Duft der Mangos begleitet während des ganzen Weges. Es würde keinem Maler gelingen die Farbenpracht des Meeres so festzuhalten, wie es sich dem menschlichen Auge bietet. Das glasklare Wasser spiegelt sich vom hell durchsonnten Blau, über Jadegrün, Türkis bis zum tiefsten Kobaltblau. Umrahmt von blühenden Hibiskushecken scheint das Wort paradiesischschön absolut gerechtfertigt.

Fatu Iva

Diese Insel ist die südlichste und abgelegenste des Archipels und wurde als letzte von den Franzosen „zivilisiert.“ Für viele ist sie die schönste, wildeste und landschaftlich spektakulärste Insel in der Gruppe der Marquesas. Es ist nicht nur das einmalige Panorama, die wilden Pferde auf den Bergen, die diesen Ort so einzigartig machen, sondern auch das geballte Grün der Dschungels, der sich über üppige Täler und enge Schluchten bis zu den schroffen, steil abfallenden Klippen erstreckt. Mit ihren sichtlich gefährlichen Ufern sieht Fatu Iva aus wie eine Burg, ein grünes Kastell inmitten des Pazifischen Ozeans..

Vom Ort O’omoa führt eine Wanderung zum Tal von Hanavave. Wer gut zu Fuß ist, Steigungen in der Hitze ertragen kann, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Steil abfallende Berghänge, enge Seitentäler geben den Blick in eine unberührte Natur frei, die immer wieder aufs Neue begeistert. Mit dem schräg einfallenden Licht, dem Hintergrund der schwarzen Felsen, verwandeln sich nicht selten die am Weg stehenden Palmen-, Pandanus- Bananen und Eisenholzbäume zu verwunschenen Schattenbildern. Abrupt und oft furchterregend nahe steht man vor dem Abgrund dunkelgrün bewachsener Bergflanken, die senkrecht in die Tiefe stürzen. Weit unten lockt der tiefblaue Pazifik 57.jpg (36251 Byte)
Das Tal von Hanavave zählt zu den schönsten der Insel. Es sind nicht nur die eindeutig phallischen Felsformationen die Verwunderung wecken, sondern es ist das Pittoreske des Tales, das von schwarzen Felsen gesäumt ist. Der plätschernde Bach, der sich durch das Tal windet, wird von in allen Farben blühenden Hibiskusbäumen gesäumt. Wenn die Abendsonne in stetem Wechsel das Grün der Insel in immer neue Licht- und Schattenspiele verwandelt dann fließt das Fotografenherz vor Begeisterung über. 51.jpg (30959 Byte)

Bleibt man in O’omoa, sollte man sich eine Tapa-Demonstration nicht entgehen lassen. Tapa wird aus der Rinde des Maulbeerbaumes hergestellt. Dazu wird die untere Schicht der Rinde verwendet, die mit einem Schlagstock aus Eichenholz weichgeklopft und so zu einem filzähnlichen Stoff verbunden wird. Bemalt werden die Tapas mit schwarzer Farbe. Nach altem Brauch wird diese aus dem Russ verbrannter Kokosschalen mit Öl vermischt selbst hergestellt. Als Pinsel dienen zusammengedrehte Haare. In früheren Zeiten wurde der Stoff der Rinde nicht bemalt und diente als Bekleidung.

20.jpg (26695 Byte) Das Museum der Familie Grellet beinhaltet wohl eine der eindrücklichsten Sammlungen marquesanischer Kunst und Gebrauchsgegenstände. François Grellet der Begründer der Familie kam im späten 19. Jahrhundert aus der Schweiz nach Fatu Iva und gründete dort mit mehreren Frauen eine Familie. Die Hauptattraktionen im Museum sind ohne Zweifel die großen, eindrucksvoll geschnitzten Koka’a (Holzschüsseln). Vervollständigt wird die Sammlung durch Paddel, Keulen, Speere, auch Steinklingen, Poistößel und gut erhaltene Tiki.
Die Wände zieren vergilbte Fotografien der Familie Grellet. Dabei stößt man überraschend auf einen weißen Keramikteller, der mit schneebedeckten Bergen, Riegelhaus und Trachtenmädchen im erstaunlichen Kontrast zu den „marquesanischen“ Antiquitäten steht. Galt dieses Relikt der nie endenden Sehnsucht nach der verlassenen Heimat?

Am Ende dieser Einführung heiße ich Sie von Herzen auf den Marquesas willkommen, deren Zauber Sie mit Sicherheit genau so unterliegen werden wie viele vor Ihnen und die die noch kommen werden.

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