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Natur, Kultur,
Geschichte
Mave
mai i te manihi, mave mai i te henua enana
(Willkommen
bei uns, willkommen im Land der Männer)
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Land
der Männer? das ist der urpolynesische Name der Marquesas-Inseln, die nach heutigen
Erkenntnissen 300 v. Ch. entdeckt und besiedelt wurden. Der Name Marquesas geht auf den
Spanier Don Alvaro de Mendaña zurück, der 1595 vor der Insel Tahuata vor Anker ging. Er
hat, wie zur damaligen Zeit üblich, die Inseln okkupiert und sie seinem Gönner, dem
Vizekönig von Peru, dem Marqués de Cañete Don Andres Garcia de Hurtado de Mendoza zum
Geschenk gemacht. Daraus ist dann der komplizierte Name: Las Islas Marquesas de Mendoza y
Cañete, oder kurz: Die Marquesas entstanden. |
Die Marquesas gehören zu Französisch Polynesien. Sie liegen am
weitesten entfernt von jedem Erdteil, aber in nächster Nähe des Äquators. Die Marquesas
bestehen aus insgesamt 14 Inseln, wovon 6 besiedelt sind. Ihr Alter wird auf 1,25
Millionen Jahre (südöstliche Gruppe) und 7 Millionen Jahre (nordwestliche Gruppe)
geschätzt. Entstanden sind sie über fortlaufende Vulkanherde (Hot Spots) im Erdmantel
der Pazifischen Platte
Heute sind sie Trümmerfelder zerbrochener Vulkane, zum
Teil bis in die höchsten Spitzen begrünt von engen, dicht bewachsenen Tälern durchzogen
oder kahle Felsmassen auf denen bis zum heutigen Tag nichts gedeiht. Die Bergformen
scheinen in einem kleineren Maßstab den Alpen nachgebildet zu sein. Urplötzlich, wie
eine Fata Morgana, schälen sich die Inseln aus der Unendlichkeit des Ostpazifiks
Im Gegensatz zu anderen Inselgruppen finden sich hier keine
Korallenriffe. Die kalte Humboldt-Strömung, die von Südamerika kommend die Inseln
durchquert, ist zumindest teilweise die Erklärung dafür. Durch den Humboldt-Strom waren
die Inseln reich an verschiedenen Walarten, Riesenkraken, Delphinen, Haien usw. bis sich
nach der Entdeckung der Inseln, Walfänger, später dann die Fischfangflotten Japans,
Russlands, Koreas und Chinas einfanden und das Meer fast gänzlich ausraubten. |
Entdeckungen
Wer hat diese Inseln entdeckt
und wer waren die ersten Bewohner? Sind sie aus Peru gekommen, so wie es Thor Heyerdahl
mit seinem Floss Kon-Tiki 1946 beweisen wollte? Er ist zwar mit letzter Kraft in
Polynesien gelandet, allerdings ausgerüstet mit den Errungenschaften der modernen Zeit
wie Lebensmittelkonserven, Sonnendestillierapparate und Funkverbindung. Alles Dinge, die
die Seefahrer zur Zeit der Entdeckungen nicht besessen haben. |
Sein großer
wissenschaftlicher Gegenspieler, der US-Amerikaner Robert C. Suggs, Archäologe und
Ethnologe, hat diese Theorie eindeutig widerlegt. Bei seinen Ausgrabungen auf den Inseln
sind nirgendwo Artefakte gefunden worden, die auf die damalige Kultur in Peru oder
anderswo in Südamerika Rückschlüsse zugelassen hätten.
Den endgültig
letzten Beweis, dass der Archipel vom Westen her durch die Lapita-Seefahrer besiedelt
worden ist, gelang Robert C. Suggs bei seinen Ausgrabungen am Strand von Haatuatua
auf der Insel Nuku Hiva. Der sensationelle Fund und die Datierung dieser Topfscherben hat
eindeutig ergeben, dass die Marquesas 300 v. Chr. entdeckt wurden und im direkten
Zusammenhang mit der Besiedelung anderer westpolynesischer Inseln stehen. |
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Von
den Marquesas aus wurden dann Hawaii, die Osterinsel und Neuseeland besiedelt.
Hawaii bekam den Namen Land des Feuers oder Peles, Hotu Matua fand in
der Osterinsel Rapa Nui, der Nabel der Welt, Kupe, der erste Maori, stieß auf
das Land der weissen Wolke und die Marquesas wurden zum Land der
Männer. Alles Bezeichnungen die auf ein und denselben Ursprung hinweisen.
Das Land der
Männer die Marquesas waren entdeckt. Die Bevölkerung hat sich rasch vermehrt, der
bevorzugte Platz am Meer wurde immer rarer und so blieb den Menschen nichts anderes
übrig, als in die Seitentäler auszuweichen. Dort gründeten sie ihr eigenes Gemeinwesen
oder ihren eigenen Stamm. Das Stammesoberhaupt war ein Häuptling, der aufgrund der
längsten Genealogie gewählt wurde und oft zu Lebzeiten schon ein Gott war. Man lebte in
Häusern, die auf Steinplattformen errichtet wurden. Das Baumaterial lieferten die
Kokospalmen und die Hibiskusbäume. Zu jedem Stamm zählte ein Tempel, auf dem das große
Stammhaus stand. |
| Heute sind die
Häuser verfallen. Tempel- und Steinplattformen hat der Urwald verschluckt. Seit vielen
Jahren bemühen sich die Archäologen alles wieder mühsam auszugraben und zu
restaurieren. |
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Die Geschichte der Marquesas
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Die
Marquesaner, Geschöpfe die seltsam und barbarisch sind, wie sie Hermann
Melville in seinem Buch Typee bezeichnete, lebten bis zu ihrer Entdeckung in
völliger Isolation. Man geht davon aus, dass am Ende des 18. Jahrhunderts 100000 Menschen
die Inseln bewohnten. Die fruchtbaren Täler waren dicht besiedelt, was zu ständigen
Kriegshandlungen unter den Stämmen führte. |
| Aber erst durch die Fremden hat
sich Dunkelheit über die Inseln gelegt. Matrosen sind von Walfängerschiffen desertiert,
schleppten Kinder- und Geschlechtskrankheiten ein, lehrten die Ahnungslosen den Umgang mit
Gewehren, auch die berauschende Wirkung des Alkohols. Die Insulaner waren in allem
gelehrige Schüler. So ist der Alkohol bis zum heutigen Tag das größte Problem auf den
Inseln geblieben. 1842 wurden die Inseln von den
Franzosen eingenommen. In ihrer Gefolgschaft befanden sich auch Missionare der
katholischen Kirche, die mit Unterstützung der französischen Verwaltung zielstrebig an
die Arbeit gingen. Sie haben den barbarischen Geschöpfen radikal alles
verboten, was nicht der katholischen Glaubensform entsprach. Aus den Wilden wurden brave
Katholiken geformt.
Diese Vergewaltigung hatte zur
Folge, dass die Menschen depressiv wurden, eine manische Todessehnsucht grassierte unter
der Bevölkerung, die Geburten gingen radikal zurück. Eine verheerende Pockenepidemie,
die sich über den ganzen Archipel ausbreitete, sorgte zusätzlich dafür, dass Ende des
19. Jahrhunderts von den stolzen 100000 Menschen nur noch 3200 lebten. Zwanzig Jahre
später waren es noch 1900. Nach weiteren 20 Jahren, so prophezeiten die Wissenschaftler,
würde es keine Marquesaner mehr geben. Entgegen diesen Voraussagen ist die Bevölkerung
heute wieder auf 7800 Menschen angewachsen, die eine Art Wiedergeburt ihrer verschwundenen
Kultur, Kunst und Sprache feiern. |
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| Aber die Neuzeit hinterlässt
trotzdem ihre Spuren. Auf den uralten Tempel und Stammesplätzen finden sich TV-Antennen,
Flugplätze wurden errichtet. Das größte Vergnügen der Marquesaner sind 4 x 4
Geländewagen, mit denen sie sich die Freizeit vertreiben. Dazu wurden tiefe Schneisen in
die unberührten Wälder geschlagen, um autobahnbreite Strassen zu bauen. Kopra
(getrocknetes Kokosfleisch) und Noni Früchte, für die alternative Heilkunde sind die
wichtigsten Exportgüter. Man arbeitet für den Staat im Straßenbau, Schulen,
Krankenhäuser, und stellt Kunsthandwerk her. Seit neuestem wird auch der Anbau von
Gemüse betrieben sowie die Rinderzucht, zu deren Zweck man Zuchttiere aus Europa
eingeführt hat. |
Tatauierungen
Wir kehren zurück zur alten Kultur, in der die Tatauierung
oder Tätowierung eine große Rolle spielte.

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Darin
sind die Marquesaner bis zum heutigen Tag die ungekrönten Meister der Südsee. Nirgendwo
sonst trifft man auf derart kunstvolle Darstellungen, die allesamt in der marquesanischen
Mythologie ihren Ursprung haben. Es gehörte zum guten Ton, sich am ganzen Körper
tatauieren zu lassen und so waren Häuptlinge, Priester und große Krieger nicht selten
von Kopf bis Fuß flächendeckend tatauiert. Das Tatauieren wurde ebenfalls lange Zeit
verboten und erst 1985 wieder zugelassen.
Bei den Frauen
gingen die Tatauierungen über die Arme und von der Hüfte an abwärts. Auch der Mund hat
neckische Streifchen bekommen. |
Tapu
Wie auf allen polynesischen Inseln, haben auch die Marquesaner ihre Tapus, welche
mit unserem Wort tabu gleichzusetzen sind. Es bedeutet unverletzlich,
unantastbar und überirdisch. Dies kann sich sowohl auf einen Ort, ein Tier, oder einen
Menschen beziehen. Verständlich, dass die Tempel- (meae) und Steinplattformen
(paepae) unter einem ganz besonderen Tapu gestanden haben und immer noch stehen. |
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Kannibalismus
Das
Geschlechtliche und die Menschenopfer spielten seit Urzeiten eine wichtige Rolle in der
Religion der marquesanischen Menschen. Beides sollte die Gottheiten erfreuen und die
Fruchtbarkeit vergrößern. Für den Marquesaner passen Tod und Geschlechtstrieb,
Fruchtbarkeit und Opfer seit jeher zusammen.
So war man der
Meinung, wenn ein Mensch verspeist wird, wird sich sein Mana, die überirdische Kraft,
automatisch übertragen. Deshalb waren die Anführer vom gegnerischen Stamm besonders
begehrt, aber als absoluter Leckerbissen hat der weiße Mann gegolten, dem man eine
besondere Kraft zugesprochen hat.
Weil der
Schädel der Sitz der überirdischen Kraft war, unterzog man ihn einer besonderen
Sorgfalt. Geputzt und poliert wurde er auf der Tempelplattform ausgestellt. Es gibt eine
Zeichnung von G. H. von Langsdorf, dem deutschen Naturwissenschaftler und Zeichner der
russischen Krusenstern-Forschungsreise von 1804. Darauf sieht man einen prächtig
tatauierten Marquesaner, an dessen linker Hand, von einer Kokosschnur gehalten, ein
menschlicher Schädel baumelt. |
Tiki
Die Tiki sind
die charakteristischen Holz- und Stein-Skulpturen der Marquesas. Tiki bedeutet aber auch
der Name des polynesischen Gottes, der mit einem Sandhaufen kopulierte, um den ersten
Menschen zu erschaffen. Zugegeben eine etwas ungewöhnliche Art.
In der
marquesanischen Kultur stellte jede Tiki-Figur einerseits eine bestimmte Gottheit dar, ist
aber gleichzeitig immer der Urvater. Auch lebende Personen, wie Priester
beiderlei Geschlechts oder Häuptlinge, die wegen ihrer im Leben demonstrierten Kraft oder
Mana verehrt worden sind, sind mit Tiki deifiziert worden. |
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Die Gesichtszüge der Tiki zeigen höchst eigenartige
Ausdrucksformen. Einerseits verkörpern sie den Ur-Phallus, sind aber, wie der
Völkerkundler Karl von den Steinen feststellte, auch Abbildungen geopferter Menschen. Die
großen Augen sind halb geschlossen, die Zunge stößt aus dem Mund, der Bauch ist
aufgeschwollen, während Arme und Beine zusammengezogen sind.
Die Vorstellung
Gott Vaters als Phallus und zugleich als Leichnam ist für uns absolut unverständlich, so
unverständlich wie die Marquesaner und ihre Kultur am Ende immer bleiben werden. |
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