Pflanzen, Tiere und die Kokospalme

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Nach den marquesanischen Ursprungs-Legenden wurden die Flora und Fauna dieser Inseln von dem Gott des Lichts und des Tages, Atea, und seiner Frau Atanua, am Beginn der Zeit, weit weg im Westen erschaffen. Vor der Entdeckung der Inseln bestand ihr Pflanzenwuchs vorwiegend aus Farnen, Croton-Sträucher, Bäume wie zum Beispiel Morinda (noni), Pandanus (ha'a), und Cordia (tou), Orchideen und verschiedene Gräser an den Stränden. 

Als „die Männer“ die Inseln besiedelten, brachten sie alle nutzbaren Pflanzen und Tiere auf ihren Doppelkanus mit. Darunter waren der Brotfruchtbaum, das Brot des marquesanischen Lebens aus dem man bis zum heutigen Tag die Hauptnahrung das Popoi gewinnt. Hinzu kamen verschiedene Arten von Taro, Bananen, Jamswurzeln. Aber „die Männer“ dachten nicht nur an das Essen, sondern auch an den Bau der Kanus. Deshalb wurde Temanu (Calophyllum) eingeführt, Eisenholz für die Keulen und Speere der Krieger, Rosenholz für Fässer, der heilige Banyan-Baum und Hibiskusbäume für die Sparren und Stangen der Hausdächer und für viele zusätzliche Gegenstände des Alltagslebens.

Auch Tiere gehörten zu den Passagieren, die aber begrenzt waren. Nur Schweine, Hühner, Hunde und Ratten hatten den Vorzug auf die große Reise, die oft über 3000 Meilen führte, mitgenommen zu werden. Ratten galten als besonderen Leckerbissen. Als blinde Passagiere kamen noch Eidechsen hinzu.

Heute ist die Vielfalt der Pflanzen und Tiere um vieles angewachsen, was die marquesanische Umwelt sehr veränderte. So gehen Ananas, Zitrusfrüchte, Mango, Papaya, Passionsfrucht, viele Arten der Hibiskuspflanze, Bougainvillea, Flamboyant, Kiefer, Akazien um nur einige wenige zu nennen, auf das Konto der Europäer. Auch begegnet man überall Ziegen, Pferden und Rindern. Nicht alles war zum Wohle der Natur. Speziell die verwilderten Pferde und Ziegen sowie die Akazien haben großen Flächen der Inseln geschadet. Es sind die Folgen einer sinnlosen, kolonialen Verwaltung.

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Doch die wichtigste unter allen Pflanzen, ja das Symbol der Inseln Polynesiens, ist die Kokospalme, um die sich eine ergreifende Liebesgeschichte aus der Zeit der Helden und Götter rankt.

Die Geschichte der Kokospalme spielt auf einer weit entfernten Insel

Eines Tages besuchte Tui Fiti, ein Häuptling aus Fitinui (Fidji), diese Insel und sah die schöne Hina, in die er sich auf den ersten Blick verliebte. Doch Hina wollte nichts von ihm wissen. Traurig kehrte er nach Fitinui zurück. Dort fragte er seinen „Taula” (Schamane), wie er sich für immer in der Nähe von Hina aufhalten könne.

Der Taula hörte ihn an, aber er war nicht glücklich über das, was er erfuhr. Er sagte Tui Fiti, dass es nur einen Ausweg gäbe: Er müsse sich in einen Aal verwandeln. In dieser Gestalt könne er über das Meer zu Hinas Insel schwimmen, um in ihrem Badeteich oder im Fluss neben dem Haus für immer bei ihr zu bleiben. Hina würde ihn als ihr Lieblingstier annehmen. Doch einmal in einen Aal verwandelt, könne er nie mehr ein Mensch werden. Tui Fiti hörte dem Taula aufmerksam zu und nach einer Weile bat er ihn: „Verwandle mich in einen Aal, ich kann ohne Hina nicht mehr leben.“

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Schweren Herzens gab der Taula dem Wunsch nach und verwandelte Tui Fiti in einen Aal. Dieser schwamm zur Insel der schönen Hina. Er fand ihr Dorf und als er sie erblickte, war sein Glück vollkommen. Zunächst hielt er sich fern, aber jeden Tag wagte er sich näher. Hina zeigte zuerst Furcht. Aber mit der Zeit gewöhnte sie sich an ihn, gab ihm zu fressen und fühlte sich wohl bei ihm. Der Aal folgte ihr wohin sie auch ging.

Andere Häuptlinge sahen den Aal und mochten ihn nicht. „Er ist hässlich“ meinten sie, und es werfe ein schlechtes Licht auf Hina, die Tochter des Stammesoberhaupts, wenn sie sich ständig mit ihm zeige. Sie wollten den Aal töten und ließen Hina keine Ruhe mehr. Schweren Herzens gab Hina schließlich nach. Aber sie wolle mit dem Aal reden, bevor er enthauptet wurde. Große Traurigkeit ergriff sie, als sie ihm den Entschluss der Häuptlinge mitteilte.

Der Aal verstand sie. Nur eine Bitte hatte er noch: Sie sollte ihm versprechen, seinen Kopf nahe bei ihrem Haus zu begraben. „Daraus wird ein Geschenk für Dich entstehen, ein hoher edler Baum, der den Menschen Nutzen bringen wird. Seine Blätter werden die Dächer der Häuser decken, aus dem Holz des Stammes werden Pfosten, aus den Fasern der Hülsen die Schnüre. Wenn du die Nüsse schälst, wirst du mein Gesicht sehen, mit zwei Augen und einem schwarzen Mund in der Mitte. Brich den Mund auf und presse Deine Lippen dagegen, so wie ich Dich immer küssen wollte. Ein süßes Wasser wird danach Deinen Durst stillen. Das weiße Fleisch der Nüsse ist gegen den Hunger.“

Hina weinte, als sie die Worte hörte. Der Abschied fiel ihr unsagbar schwer. Doch der Geliebte fürchtete sich nicht vor dem Tod, denn er wusste, dass sie einander immer gehören würden. Der Aal wurde enthauptet und wie versprochen begrub Hina seinen Kopf in der Nähe ihres Hauses. Kurze Zeit danach spross ein kleiner Baum aus dem Grab und wuchs zu einer mächtigen Kokospalme empor. Es war das Geschenk, das Tui Fiti seiner schönen Hina versprochen hatte. Der treueste Gefährte der Polynesier war geboren.

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